Körpertherapie, tanz, achtsamkeit, entspannung, Traumabewältigung

Körpertherapie oder Tanz um dein Leben

In meinem Artikel über die Neurobiologie der Angst habe ich dir schon einige Grundlagen über die Entstehung von Angst auf neurobiologischer Ebene erklärt und wie eintreffende Reize in unserem Gehirn verarbeitet werden. Heute möchte ich dir ein bisschen näher erklären wie traumatische Erfahrungen entstehen und wie diese im Körper als Überlebensenergie gespeichert werden.

Was ist Trauma?

Die meisten Menschen denken beim Begriff Trauma immer an die ganz großen Katastrophen – Krieg, sexueller oder körperlicher Missbrauch. Aber das ist viel zu eng gedacht – inwieweit Erfahrungen für einen Menschen traumatisch sind oder nicht, hängt sehr vom Individuum, vor allem dessen Vorerfahrungen und den individuellen Bewältigungsstrategien und Verarbeitungsmöglichkeiten ab und dies wiederum vom persönlichen Stress-Toleranz-Fenster (dazu bald mehr). Werden unsere persönlichen Bewältigungsstrategien überfordert, reagiert unser System sowohl mit einer immensen Ausschüttung von Stresshormonen aus den Nebennieren (Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol) als auch mit einer den gesamten Körper betreffenden enormen Anspannung. Diese Anspannung führt zu einer Muskelkontraktion, die so stark (wir versuchen automatisch in eine fötale Schutzhaltung zu gehen) sein kann, dass wir sie teilweise nur über ,,Abzittern“ wieder abbauen können.

Hier ein Bild:

Müssen sich Menschen einer Operation unterziehen, so passiert das heutzutage natürlich mittels moderner Narkose. Trotzdem und obwohl unser Bewusstsein ausgeschaltet ist, kann der Körper den Eingriff als extremen Stress wahrnehmen. Nach der Operation kommt es häufig zu einem unwillkürlichen Zittern, der Körper will sich der festgehaltenen Überlebensenergie wieder entledigen und sozusagen sein System reinigen. Dieses Zittern ist nicht pathologisch – es dient der Selbstregulation. Es wäre also falsch diesen Menschen zu beruhigen und sogar schädlich zu versuchen das Zittern zu unterdrücken, denn dadurch könnte die festgehaltene Energie im Körper gespeichert werden. Es entstehen ,,Energieblockaden“ im System, das heißt im Körper festgehaltene Überlebensenergie, das ,,Trauma“ oder die Überlebensenergie liegt fragmentiert in unserer Neurobiologie und, wenn der Stress unser System nicht wieder ganz verlassen hat, können äußere Trigger zu einer Reaktivierung führen. Diese Trigger können auch unbewusst sein.

Körpertherapie, das Erwachen des Tigers

Viele Menschen tragen angstvoll im Körper gespeicherte Überlebensenergie ohne das sie es wissen. Diese kann bereits in unseren Ahnen gewirkt und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Das Leben fühlt sich dann schwer an, weil wir unbewusst soviel Anspannung im Körper haben, wir entwickeln Glaubenssysteme (z.B. die Welt ist ein feindlicher Ort). Traumatische Erfahrungen können auch emotionaler Natur sein, denn unser Körper unterscheidet nicht zwischen einem seelischen und einem körperlichen Trauma.

Es kann sein, dass wir schon als Kind viele vermeintlich ,,kleine“ Einschläge in unserem Nervensystem erlebt und abgespeichert haben, die aber unser unreifes Nervensystem überfordert haben – dadurch wurde dann immer wieder angstvolle Energie im Körper gespeichert. 

So hat ein Baby zum Beispiel eine sehr ängstliche, unsichere Mutter – sie kann ihr Bestes tun (und ich glaube daran, dass wir alle zu jeder Zeit versuchen unser Bestes zu tun) – trotzdem nimmt der Säugling bereits vor Beginn der Sprachentwicklung die Angst und evtl. die Überforderung wahr und speichert sie in seinem kleinen, noch ganz offenen System. Kinder sind ungeheuer resiliente (widerstandsfähige) Wesen und trotzdem (da sie auf Bindung angewiesen sind), kann es sein, dass sie die bereits von ihren Eltern unbearbeiteten ,,Energieblockaden“ ganz automatisch in ihren Körper übernehmen. 

Wenn wir wirklich frei sein wollen und unser ganzes Potenzial nutzen wollen, ist es sehr ratsam nicht nur mit dem Verstand zu arbeiten – du kannst dir tausendmal sagen: ich bin schön, ich bin schlau, ich bin gut genug – wenn du das nicht in deinem Körper fühlst, weil du in deiner Prägezeit durch angstvolle Energie andere Glaubenssystem in deinem Unterbewusstsein hast, ist es sinnvoll zunächst einmal die Körperhaltung zu ändern und die festgehaltene Energie langsam (ganz langsam!) zu lösen. Das was du sein möchtest musst du auch verkörpern und das geht viel besser, wenn die alte gehaltene Energie dein System verlassen hat, sie sozusagen abgeflossen ist oder die alten Verschaltungen rausgeflogen sind.

Mach was mit deinem Körper – tanz, mach Yoga, TRE oder andere achtsame Köpertherapien.

Und wenn du eine emotional sehr intensive Vergangenheit hast, zum Beispiel weil deine primäre Bindungsperson emotional instabil war oder weil wir körperliche Grenzerfahrungen gemacht haben, lass dich zunächst professionell begleiten – wenn die Überlebensenergie, die einige von uns im Körper gespeichert haben, freigesetzt wird, kann das nämlich dem Erwachen eines Tigers ähneln…

Hast du Fragen – dann melde dich gerne bei mir und hör mal Henning Wehland – Tanz um dein Leben ☺

Übrigens -beim Loslassen und integrieren alter festgehaltener Ängste kann es sehr sinnvoll sein deinen Körper mit Mikronährstoffen zu unterstützen, denn Stress verbraucht auch auf Zellebene sehr viel Energie!

In diesem Sinne – lass es dir gut ergehen und steh wieder auf!

Neurobiologie der Angst

Neurobiologie der Angst oder wieso und wie schnell der Drache Feuer spuckt

Heute möchte ich dir etwas über die Entstehung von Angst auf biologischer Ebene erklären. Angst wird von vielen Menschen als unangenehmes Gefühl wahrgenommen und wir wollen sie möglichst schnell wieder loswerden. Ich schreibe ja in meiner Vorstellung, dass ich verliebt in das Leben bin und so ist es auch, denn ich denke, dass alles im Leben einen Sinn hat und so soll auch die Angst uns primär vor Gefahren schützen. Wenn du drei Wünsche frei hättest, wünsch dir also nicht, dass deine Angst für immer geht – ohne Angst wären wir innerhalb weniger Minuten tot, sie sichert also unser Überleben. Wie angstanfällig (oder vielleicht auch sensibel) wir aber sind, hängt damit zusammen, was wir in unserer Prägezeit (Entwicklung) erlebt haben. Alles, was wir während unserer Entwicklung (primär im Kontakt zu unseren Bezugspersonen) erleben, wird im Gehirn als Erfahrung gespeichert, aber auch im übrigen Körper ,,verschaltet“. Dies wiederum führt zu sogenannten Glaubenssätzen (zum Beispiel: ich bin nicht gut genug oder ich bin die Schlaueste). Wir sprechen in Bezug auf den Körper auch vom sogenannten Körpergedächtnis (hierzu sicherlich irgendwann mehr).

Rein neurobiologisch ist es so, dass wir Reize aus unserer Umwelt (auch auf unbewusster Ebene) wahrnehmen und diese im Gehirn über den Thalamus (hier werden Sinneseindrücke verarbeitet) an die Großhirnrinde weitergeleitet werden. Das, was wir wahrnehmen, wird dann abgeglichen mit bereits vorhandenen Erfahrungen. Wie gesagt – alles, was die Natur sich ausdenkt, geschieht im Grunde immer für uns. Entscheidet unser Gehirn, dass Gefahr im Verzug ist und nur eine sofortige Reaktion unser Überleben sichern kann, wird sofort die Amygdala (der sogenannte Mandelkern) eingeschaltet. Dieser Teil des Gehirns wird auch als Angstzentrum bezeichnet. Sind wir einem gefährlichen Reiz ausgesetzt (nehmen wir als Beispiel einen Tiger, dem wir gegenüberstehen), bleibt keine Zeit für Interpretation. Die Situation ist neu und in höchstem Maße bedrohlich. Binnen Bruchteilen von Sekunden wird dann eine Stresskaskade initiiert. Es kommt zur Ausschüttung von Stresshormonen – Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol. 

Und nun kommen wir zu meinem Freund dem Drachen, den du auf dem Foto gleich in 2 Varianten siehst. Ich mag Drachen – Drachen sind stark, Drachen sind mutig. Stellen wir uns vor, wir wären kein Mensch, sondern ein Drache und vor uns stünde ein Tiger. Auch für einen Drachen kann die Begegnung mit einem Tiger unschön enden, sein Angstzentrum ist alarmiert – wenn unser Angstzentrum alarmiert ist und wir mit Stresshormonen geflutet sind, verändert sich unsere Wahrnehmung – wir haben 3 Reaktionsmöglichkeiten: Kampf, Flucht und wenn beides nicht möglich ist – Erstarrung. Im Körper wird Überlebensenergie bereitgestellt. Drachen können bekanntlich Feuer spucken, und so würde ein Drache sich eventuell entscheiden zu kämpfen (das alles läuft natürlich unbewusst ab, denn für langes Abwägen bleibt keine Zeit im Sinne einer Entscheidungsfindung), würden wir das als Mensch probieren, stünden unsere Chancen eher schlecht. Aber vielleicht ist die Tür vom Käfig des Tigers nur 10 cm weit entfernt und wir könnten versuchen zu fliehen. Hat der Tiger uns schon am Schlawittchen, können wir kämpfen (wohl nur was für die Allermutigsten und für die, die sich blitzschnell in einen Drachen verwandeln können, das musst du aber vorher üben ;-)) oder erstarren, das heißt wir schalten uns selber ab, um den Schmerz nicht zu spüren, wenn der Tiger uns auffrisst. Das machen zum Beispiel auch Mäuse, wenn sie sich schon im Maul der Katze befinden.

Die Begegnung mit einem Tiger ist im Alltag doch eher selten und doch fühlen viele Menschen sich chronisch gestresst – ihr System ist quasi (wenn auch auf einem sehr viel niedrigerem Niveau) daueralarmiert. Innere Bilder und Gedanken oder eben Glaubenssätze können Stress im Körper auslösen, denn unser Gehirn kann nicht unterscheiden, ob es sich um eine reale Gefahr handelt oder der Tiger (Angst vor Krankheit, Angst vor Ablehnung, Angst vor Krieg – die Liste ist endlos…) nur eingebildet ist – so stehen wir ständig ,,unter Strom“ und merken es noch nicht einmal. 

Wir lernen aus Erfahrungen – wie angstbereit unser Gehirn ist und was uns (vielleicht auch nur unbewusst) triggert und zu einer Anspannung im Körper führt, ist abhängig von unseren Erfahrungen, vor allem in Bezug auf unsere engsten Bezugspersonen. War die Bindung zu unseren Bezugspersonen unsicher (zum Beispiel, weil die Bezugspersonen selbst aufgrund traumatischer Erfahrungen überfordert waren), so ist es sehr wahrscheinlich, dass bereits beim Kind sehr früh angstvolle Energie im Körper gespeichert wurde, die nicht richtig abgebaut werden konnte. 

Es ist möglich, diese ungünstigen Verschaltungen im späteren Leben sanft zu lösen, zum Beispiel durch TRE (Tension & Trauma Releasing Exercises) – dazu bald mehr…

Warum ich das hier alles schreibe? Weil es mich interessiert, denn ich bin ja Ärztin, nicht wahr? Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit – ich möchte dir erzählen, dass ich selber in meiner Entwicklung wahrscheinlich viele eher ungünstige Verschaltungen in meinem Gehirn und meinem Körper abgespeichert habe – aber auch das ist nur die halbe Wahrheit, denn wir sind immer mehr und das Leben meint es gut mit uns – entscheidend ist nicht was dir passiert ist, sondern wieviel Verantwortung du für dich und dein Handeln übernimmst. Alles was einmal verschaltet wurde, kann sich lösen -unser Gehirn ist plastisch und kann wieder neu verschaltet werden – glaub an dich, steh wieder auf, erinnere dich daran wie wertvoll das Leben ist und lass dir nichts sagen. Kümmere dich um dich!

Hast du Fragen oder brauchst so ein schönes Drachenbild, um dich besser in einen hineinversetzen zu können, melde dich gerne bei mir!

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