Vegetatives Nervensystem

Über die Entstehung unserer inneren Heimat als Folge unserer individuellen Entwicklung

Wenn wir uns gut um uns selbst kümmern wollen, ist meiner Meinung nach das hauptsächliche Ziel, einen Ort in uns zu kreieren, an dem wir uns ganz sicher und zu Hause fühlen, an dem wir mit uns selbst verbunden sind. Desto mehr wir mit uns selbst verbunden sind, desto eher können wir auch erkennen wenn gesamtgesellschaftlich Dinge in die falsche Richtung laufen. 

Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz versucht in folgendem sehr sehenswerten  Interview zu erklären wie es dazu kommen kann, dass latente in jedem vorhandene Ängste aufbrechen und nach Außen projiziert werden, wie es im Rahmen der Corona-Krise auf verschiedenen Ebenen der Fall gewesen ist:

Wie ich in meinem Artikel über die Förderung der Selbstheilungskräfte schon erklärt habe, entstehen Symptome oder Erkrankungen erst dann, wenn das Maß unserer individuellen Kompensationsmöglichkeiten überschritten ist. Symptome an sich sind nicht krankhaft – sie zeigen uns nur, dass unsere Lebensenergie nicht mehr frei fließen kann bzw. an einer Stelle blockiert ist. 

Sehr wichtig ist, dass wir nicht ständig aus unserem individuellen Stresstoleranzfenster fallen, das heißt, dass unser Nervensystem nicht ständig in einen dysregulierten (entweder Über- oder Untererregung) Zustand gerät. Das Stresstoleranzfenster ist ein Begriff, der von dem Professor für klinische Psychiatrie Daniel J. Siegel geprägt wurde. Prof. Siegel hat vor allem erforscht, wie sich das kindliche Gehirn im Kontext von Bindungserfahrungen entwickelt – je ungestörter unsere frühkindliche Entwicklung verläuft, desto weiter und stabiler wird unser individuelles Toleranzfenster, das heißt desto leichter können wir auf Reize reagieren, ohne dass unser vegetatives Nervensystem aus der Balance gerät. In diesem Sinne ist es nicht egal wie wir geboren werden, und es ist extrem wichtig, dass wir in den ersten Jahren unseres Lebens gut co-reguliert und gespiegelt werden.

,,Liebe ist Verantwortung eines Ich für ein Du.“ (Martin Buber)

Das vegetative Nervensystem 

Neuroanatomie bzw. Neurobiologie ist sehr spannend, denn Wissen ermöglicht uns zu einem gewissen Grad, uns selbst und unsere Emotionen besser zu verstehen und anzunehmen und dadurch auch mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. 

Das menschliche Nervensystem wird grob vereinfacht in ein zentrales und ein peripheres Nervensystem unterteilt. Zum zentralen Nervensystem zählen das Gehirn und das Rückenmark, das periphere Nervensystem wird in das vegetative und das somatische Nervensystem unterteilt. Um die Entstehung von Stress besser verstehen zu können, ist es hilfreich, zumindest in Ansätzen die Funktionsweise des vegetativen Nervensystems zu begreifen – dieses Nervensystem ist unserer willentlichen Kontrolle entzogen. Dies ist auch insofern sehr sinnvoll, als es in Anbetracht großer Gefahr nicht dem Überleben dienen würde, lange Zeit dafür aufzubringen auf Verstandesebene eine Reaktion abzuwägen – daher wird dieser Teil des Nervensystems also auch als autonom genannt. Welche Dinge wir allerdings als potenziell gefährlich wahrnehmen bzw. was unser autonomes Nervensystem in Alarmbereitschaft (auch unbewusst) versetzt, hängt von unseren individuellen Lebenserfahrungen ab. 

,,Safety is the presence of connection.” (Stephen Porges)

Vegetatives Nervensystem – Sympathikus und Parasympathikus

Nehmen wir an wir haben durch gute Bindungserfahrungen während unserer Entwicklung ein relativ weites Stresstoleranzfenster entwickeln können, dann unterliegt unser vegetatives Nervensystem ganz natürlich im Tagesverlauf Schwankungen zwischen An- und Entspannung, wir fühlen uns aber insgesamt trotzdem in Sicherheit und sind in der Lage die Herausforderungen des Alltags zu meistern. Wir schwanken ganz natürlich innerhalb unseres Fensters zwischen dem sympathischen (aufladendem) und dem parasympathischen (entladendem) Anteil unseres vegetativen Nervensystems hin und her. Dabei ist Sicherheit immer ein sehr subjektives Erleben. 

Der sympathische Anteil ist grob vereinfacht dargestellt dafür zuständig, uns in Handlungsbereitschaft zu versetzen und Energie zu mobilisieren. Er erfüllt überlebenswichtige Aufgaben, wenn es um die Bewältigung von Gefahren geht, indem er bei entsprechendem Stress blitzschnell Energie für Kampf und Flucht bereitstellt.

In Ruhe und Entspannung übernimmt der parasympathische Anteil unseres Nervensystems die Führung. Der 10. Hirnnerv ist der Nervus Vagus und ein essenzieller Bestandteil dieses parasympathischen Systems. Er wird nochmals unterteilt in einen ventralen (vorderseitigen) und einen dorsalen (rückseitigen) Vagus. Stephen Porges ist Begründer der Polyvagaltheorie. Laut Porges ist dieser Teil unseres Nervensystems essenziell wichtig für das Verständnis der Entstehung von Trauma. Diese Dinge sind sehr komplex, daher werde ich sicher bald mal einen ganzen Artikel zum Nervus Vagus schreiben. Wichtig ist zunächst, dass du verstehst, dass jedes Individuum zwischen sympathischem und parasympathischem Anteil des autonomen Nervensystems im Tagesverlauf hin- und herschwankt. Auch die Körperfunktionen wie Atmung, Herzfrequenz und Stoffwechsel werden vom autonomen Nervensystem gesteuert.

Dysreguliertes Nervensystem als Folge von Trauma – alles was du fühlst ergibt Sinn

Dein Körper (und damit auch dein Nervensystem) versucht immer, dich in einer natürlichen Homöostase (einem inneren Gleichgewicht) zu halten. Man könnte das Leben auch als eine Art Fluss betrachten, und bei jedem Menschen treten während der Entwicklung eine unterschiedliche Anzahl und Schwere von Steinen im Flussbett auf, die den weiteren Fluss der Lebensenergie behindern können. Es handelt sich also um entwicklungsspezifische Herausforderungen oder (eher negativ ausgedrückt) um Entwicklungstraumata. Ist unser individuelles Stresstoleranzfenster eher eng, so können wir trotzdem aufgrund von individuellen Ressourcen dafür sorgen, dass unser Nervensystem nicht dauerhaft in einen nicht regulierten Zustand gerät. Als nicht reguliert sind Zustände zu bezeichnen mit extremer Über- oder Untererregung (wenn also der sympathische oder parasympathische Teil unseres Nervensystems unkontrolliert die Führung übernimmt). Bei Übererregung kann es zu Anspannung, Panik, Wut, Abwehr oder sogar Manie kommen, bei Untererregung zu Depression, Apathie und einem Gefühl des dauerhaften Abgeschnittenseins. Wir fühlen uns dann nicht mehr lebendig. Ein dysreguliertes Nervensystem kann sich insbesondere dann entwickeln, wenn in unserem Lebensflussbett schon viele Steine aus unserer Entwicklung liegen und aufgrund von zunehmendem Stress oder einem erneutem Trauma unsere Ressourcen nicht mehr ausreichen, um dauerhaft in einem balancierten Zustand zu bleiben.  Das Tolle ist aber, dass du im Laufe deines Lebens ständig deine Ressourcen vergrößern kannst, um so an individueller Stärke und Resilienz (Elastizität) zu gewinnen, das heißt wir haben immer die Möglichkeit, wieder in unseren ,,normalen“ Lebensfluss zurückzukehren, indem wir traumatische Erfahrungen integrieren, das heißt die blockierte Lebensenergie wieder ins Fließen bringen. 

Stärke deine Ressourcen

Jede Sache, Person, Tat, Fähigkeit, die in Zeiten der Not unterstützend wirkt und Stärkung/Hilfe anbietet bzw. ermöglicht, ist eine Ressource und kann dir helfen, nach belastenden Ereignissen wieder in den normalen Lebensfluss zu gelangen und vielleicht noch stärker zu werden, also dein individuelles Stresstoleranzfenster zu weiten und so ein integriertes Selbstgefühl zu behalten. Vielleicht erkennen wir dann rückblickend auch einen Sinn in allem und können uns immer öfter so sein lassen wie wir sind. 

Selbstfürsorge und Selbstverantwortung können auch dazu beitragen, dass du in ,,schlechten“ Zeiten bei dir bleibst – denn ich bin mir sicher: Das Leben ist für und nicht gegen uns. 

Ich hoffe, dass du durch meinen Artikel ein wenig Einblick in die Entstehung deiner Emotionen und damit auch deines Verhaltens gewinnen konntest und so vielleicht auch mehr Verständnis für dich entwickeln kannst – letzten Endes ergibt alles, was du fühlst Sinn, dein Gehirn ist aber auch plastisch und kann sich Zeit deines Lebens verändern – wenn du also zum Beispiel an einer Depression erkrankt bist, heißt das nicht, das dieser Zustand so bleiben wird… Du kannst immer wieder aufstehen und dein Gehirn kann dazulernen!

In diesem Sinne – hab viel Freiheit, Licht und Liebe! 

Körpertherapie, tanz, achtsamkeit, entspannung, Traumabewältigung

Körpertherapie oder Tanz um dein Leben

In meinem Artikel über die Neurobiologie der Angst habe ich dir schon einige Grundlagen über die Entstehung von Angst auf neurobiologischer Ebene erklärt und wie eintreffende Reize in unserem Gehirn verarbeitet werden. Heute möchte ich dir ein bisschen näher erklären wie traumatische Erfahrungen entstehen und wie diese im Körper als Überlebensenergie gespeichert werden.

Was ist Trauma?

Die meisten Menschen denken beim Begriff Trauma immer an die ganz großen Katastrophen – Krieg, sexueller oder körperlicher Missbrauch. Aber das ist viel zu eng gedacht – inwieweit Erfahrungen für einen Menschen traumatisch sind oder nicht, hängt sehr vom Individuum, vor allem dessen Vorerfahrungen und den individuellen Bewältigungsstrategien und Verarbeitungsmöglichkeiten ab und dies wiederum vom persönlichen Stress-Toleranz-Fenster (dazu bald mehr). Werden unsere persönlichen Bewältigungsstrategien überfordert, reagiert unser System sowohl mit einer immensen Ausschüttung von Stresshormonen aus den Nebennieren (Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol) als auch mit einer den gesamten Körper betreffenden enormen Anspannung. Diese Anspannung führt zu einer Muskelkontraktion, die so stark (wir versuchen automatisch in eine fötale Schutzhaltung zu gehen) sein kann, dass wir sie teilweise nur über ,,Abzittern“ wieder abbauen können.

Hier ein Bild:

Müssen sich Menschen einer Operation unterziehen, so passiert das heutzutage natürlich mittels moderner Narkose. Trotzdem und obwohl unser Bewusstsein ausgeschaltet ist, kann der Körper den Eingriff als extremen Stress wahrnehmen. Nach der Operation kommt es häufig zu einem unwillkürlichen Zittern, der Körper will sich der festgehaltenen Überlebensenergie wieder entledigen und sozusagen sein System reinigen. Dieses Zittern ist nicht pathologisch – es dient der Selbstregulation. Es wäre also falsch diesen Menschen zu beruhigen und sogar schädlich zu versuchen das Zittern zu unterdrücken, denn dadurch könnte die festgehaltene Energie im Körper gespeichert werden. Es entstehen ,,Energieblockaden“ im System, das heißt im Körper festgehaltene Überlebensenergie, das ,,Trauma“ oder die Überlebensenergie liegt fragmentiert in unserer Neurobiologie und, wenn der Stress unser System nicht wieder ganz verlassen hat, können äußere Trigger zu einer Reaktivierung führen. Diese Trigger können auch unbewusst sein.

Körpertherapie, das Erwachen des Tigers

Viele Menschen tragen angstvoll im Körper gespeicherte Überlebensenergie ohne das sie es wissen. Diese kann bereits in unseren Ahnen gewirkt und von Generation zu Generation weitergegeben werden. Das Leben fühlt sich dann schwer an, weil wir unbewusst soviel Anspannung im Körper haben, wir entwickeln Glaubenssysteme (z.B. die Welt ist ein feindlicher Ort). Traumatische Erfahrungen können auch emotionaler Natur sein, denn unser Körper unterscheidet nicht zwischen einem seelischen und einem körperlichen Trauma.

Es kann sein, dass wir schon als Kind viele vermeintlich ,,kleine“ Einschläge in unserem Nervensystem erlebt und abgespeichert haben, die aber unser unreifes Nervensystem überfordert haben – dadurch wurde dann immer wieder angstvolle Energie im Körper gespeichert. 

So hat ein Baby zum Beispiel eine sehr ängstliche, unsichere Mutter – sie kann ihr Bestes tun (und ich glaube daran, dass wir alle zu jeder Zeit versuchen unser Bestes zu tun) – trotzdem nimmt der Säugling bereits vor Beginn der Sprachentwicklung die Angst und evtl. die Überforderung wahr und speichert sie in seinem kleinen, noch ganz offenen System. Kinder sind ungeheuer resiliente (widerstandsfähige) Wesen und trotzdem (da sie auf Bindung angewiesen sind), kann es sein, dass sie die bereits von ihren Eltern unbearbeiteten ,,Energieblockaden“ ganz automatisch in ihren Körper übernehmen. 

Wenn wir wirklich frei sein wollen und unser ganzes Potenzial nutzen wollen, ist es sehr ratsam nicht nur mit dem Verstand zu arbeiten – du kannst dir tausendmal sagen: ich bin schön, ich bin schlau, ich bin gut genug – wenn du das nicht in deinem Körper fühlst, weil du in deiner Prägezeit durch angstvolle Energie andere Glaubenssystem in deinem Unterbewusstsein hast, ist es sinnvoll zunächst einmal die Körperhaltung zu ändern und die festgehaltene Energie langsam (ganz langsam!) zu lösen. Das was du sein möchtest musst du auch verkörpern und das geht viel besser, wenn die alte gehaltene Energie dein System verlassen hat, sie sozusagen abgeflossen ist oder die alten Verschaltungen rausgeflogen sind.

Mach was mit deinem Körper – tanz, mach Yoga, TRE oder andere achtsame Köpertherapien.

Und wenn du eine emotional sehr intensive Vergangenheit hast, zum Beispiel weil deine primäre Bindungsperson emotional instabil war oder weil wir körperliche Grenzerfahrungen gemacht haben, lass dich zunächst professionell begleiten – wenn die Überlebensenergie, die einige von uns im Körper gespeichert haben, freigesetzt wird, kann das nämlich dem Erwachen eines Tigers ähneln…

Hast du Fragen – dann melde dich gerne bei mir und hör mal Henning Wehland – Tanz um dein Leben ☺

Übrigens -beim Loslassen und integrieren alter festgehaltener Ängste kann es sehr sinnvoll sein deinen Körper mit Mikronährstoffen zu unterstützen, denn Stress verbraucht auch auf Zellebene sehr viel Energie!

In diesem Sinne – lass es dir gut ergehen und steh wieder auf!

Vitamin D als Schlüssel zur Abwehr von Infektionskrankheiten

Vitamin D als Schlüssel zur Abwehr von Infektionskrankheiten Teil II

oder: Warum die Natur den Inuit soviel Fisch anbietet

Als echter Vitamin-D-Fan möchte ich dir heute noch mehr über das Sonnenhormon und seine Wirkung bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten erzählen. Vielleicht hast du schon einmal etwas über sogenannte ,,stille Entzündungen“ (oder engl. silent inflammation) gehört, die unbemerkt im Körper zu Erkrankungen führen können. Die Medizin ist heute sehr spezialisiert und für jedes Organ gibt es einen Experten. Das ist meines Erachtens eher ungünstig und ein Verständnis vom großen Ganzen im Hinblick auf die Selbstfürsorge viel sinnvoller.

Kann Vitamin D vor Entzündungen schützen?

Viele unserer westlichen Erkrankungen (z.B. Herzerkrankungen oder Diabetes) werden durch sogenannte stille (oft jahrelang unbemerkte) Entzündungen getriggert. Diese wiederum können entstehen wenn unser körpereigenes Milieu was eigentlich auf Homöostase (ein inneres Gleichgewicht) aus ist, aus dem Ruder gerät. Gerade unser westlicher Lebensstil kennt viele Impulse (wenig Bewegung, unnatürliches Essverhalten, zu wenig Sonnenlicht, Stress, also im Grunde eine in vielen Teilen als toxisch zu bezeichnende Umwelt), die das köpereigene Milieu in Richtung Entzündung verändern können. Auch ein chronischer Vitamin D Mangel trägt hier wesentlich zu einem ungünstigen Milieu bei.

Was macht uns krank – die Milieutheorie…

Bereits In der Geschichte der Medizin gab es Vertreter der Milieutheorie (z.B. Antoine Béchamp – französischer Arzt) und Vertreter (wie z.B. der Hygieniker Robert Koch, Namensgeber des inzwischen wohl jedem bekannten Robert-Koch-Instituts) die meinten, dass der Erreger als Ursache der Erkrankung anzusehen ist. 

Vitamin D und Covid-19, die Folgen unseres unnatürlichen Lebensstils

Gerade in den letzten 2 Jahren wurde im Rahmen der Corona-Pandemie die Milieutheorie oder die Vorstellung, dass der Zustand des Körpers auf den der Virus trifft, entscheidend für die Schwere der Infektion ist, quasi komplett außer Acht gelassen, zumindest haben wir dazu fast nichts in den Medien gehört. Als einziger Schutz wurde die Impfung propagiert (obwohl schon früh klar war, welche Risikogruppen einen schweren Verlauf fürchten müssen) und dies teilweise durch Zwangsmaßnahmen, die traurigerweise zu einer Spaltung unserer Gesellschaft geführt haben. Aber einfache Wahrheiten, die unter Druck und Zwang verbreitet werden müssen, sind leider keine Wahrheiten, sondern Ideologien.

Wusstest du aber, dass bereits die ursprünglich Virusvariante aus Wuhan für über 95% der Infizierten völlig harmlos war und die dann folgende Delta-Variante sogar noch einmal um den Faktor 45 harmloser? 

Was hat das alles mit Vitamin D zu tun und was ist nun mit den Inuit?

Nun – ich bin zwar Ärztin (und tatsächlich weise ich auch einige sogenannte ,,Risikofaktoren“ auf), aber ich bin große Anhängerin der Milieutheorie und der Eigenverantwortung. Da auch ich Teil der westlichen Gesellschaft bin und dadurch einem in großen Teilen unnatürlichen Lebensstil ausgesetzt bin, versuche ich wenigstens punktuell gut für mich zu sorgen.

So wie viele Menschen infolge der industriellen Revolution, arbeiten auch ich den Großteil des Tages in geschlossenen Räumen, so dass die Sonnendosis, die ich im Sommer zum Aufbau eines ausreichend hohen Vitamin-D-Wertes, benötigen würden, weit unterschritten wird. Hinzu kommt, dass viele meiner Mitmenschen eine quasi panische Angst vor der Sonne entwickelt haben und beim ersten Frühlingserwachen ihre Haut (in der das Vitamin D gebildet wird), mit Sonnencreme bedecken.

Muss ich denn gleich Nahrungsergänzungsmittel nehmen oder kann ich nicht einfach auf meine Ernährung achten?

Das ist leider sehr schwierig. Die allgemeine Zufuhrempfehlung von 800 IE/ Tag ist mindestens um den Faktor 3 zu niedrig bemessen. Wieviel Vitamin D du für eine optimale Versorgung benötigst, ist außerdem abhängig vom Gewicht. So wird inzwischen empfohlen mind. 40-60 IE/kg KG Vitamin D zuzuführen. Für einen 80 kg schweren Erwachsenen wären dies 4800 IE täglich. Hier kann die Nahrung nur einen kleinen Teil leisten. Am reichsten an Vitamin D ist Lebertran und Fisch aus kalten Gewässern, beispielsweise enthalten 100 g Hering 1000 IE Vitamin D… 500 g täglich nur um den eigenen Vitamin D Bedarf zu decken? Wohl eher schwierig….

Die Inuit zum Beispiel leben in Breitengraden, in denen aufgrund des Einfallwinkels der Sonne quasi kein Vitamin D in ihrer Haut synthetisiert wird. Als Ausgleich essen Sie viel Kaltwasserfisch und Lebertran – die Natur versucht immer auf die bestmögliche Weise für uns zu sorgen ☺.

Was ich dir mit diesem Blogbeitrag vermitteln wollte ist, dass bei der Entstehung von Krankheiten, dein körpereigenes Milieu eine ganz entscheidende Rolle spielt, dies wiederum wird durch deine Umwelt und die Lebensgewohnheiten bestimmt. Jeden Tag auf gute Ernährung und ausreichend Bewegung zu achten kann schon mal relativ anstrengend werden. Aber auf eine gute Vitamin-D-Versorgung zu achten kostet relativ wenig Zeit und kann dich vor entzündlichen Prozessen (und Covid-19 triggert Entzündungsreaktionen) schützen bzw. Erkrankungen besser abwehren. 

Wir sind Krankheit und sogenannten Experten nicht ausgeliefert wenn wir selber das Beste für uns wollen.

Ein selbstbestimmtes Leben ist möglich und Impfungen (wenngleich sicher eine segensreiche Erfindung) nur ein sehr, sehr kleiner Teil im Selbstfürsorge-Koffer.

Oder wie das Sprichwort sagt: Viele Wege führen nach Rom…

Möchtest du individuelle Beratung, melde dich gerne über das Kontaktformular ☺

Neurobiologie der Angst

Neurobiologie der Angst oder wieso und wie schnell der Drache Feuer spuckt

Heute möchte ich dir etwas über die Entstehung von Angst auf biologischer Ebene erklären. Angst wird von vielen Menschen als unangenehmes Gefühl wahrgenommen und wir wollen sie möglichst schnell wieder loswerden. Ich schreibe ja in meiner Vorstellung, dass ich verliebt in das Leben bin und so ist es auch, denn ich denke, dass alles im Leben einen Sinn hat und so soll auch die Angst uns primär vor Gefahren schützen. Wenn du drei Wünsche frei hättest, wünsch dir also nicht, dass deine Angst für immer geht – ohne Angst wären wir innerhalb weniger Minuten tot, sie sichert also unser Überleben. Wie angstanfällig (oder vielleicht auch sensibel) wir aber sind, hängt damit zusammen, was wir in unserer Prägezeit (Entwicklung) erlebt haben. Alles, was wir während unserer Entwicklung (primär im Kontakt zu unseren Bezugspersonen) erleben, wird im Gehirn als Erfahrung gespeichert, aber auch im übrigen Körper ,,verschaltet“. Dies wiederum führt zu sogenannten Glaubenssätzen (zum Beispiel: ich bin nicht gut genug oder ich bin die Schlaueste). Wir sprechen in Bezug auf den Körper auch vom sogenannten Körpergedächtnis (hierzu sicherlich irgendwann mehr).

Rein neurobiologisch ist es so, dass wir Reize aus unserer Umwelt (auch auf unbewusster Ebene) wahrnehmen und diese im Gehirn über den Thalamus (hier werden Sinneseindrücke verarbeitet) an die Großhirnrinde weitergeleitet werden. Das, was wir wahrnehmen, wird dann abgeglichen mit bereits vorhandenen Erfahrungen. Wie gesagt – alles, was die Natur sich ausdenkt, geschieht im Grunde immer für uns. Entscheidet unser Gehirn, dass Gefahr im Verzug ist und nur eine sofortige Reaktion unser Überleben sichern kann, wird sofort die Amygdala (der sogenannte Mandelkern) eingeschaltet. Dieser Teil des Gehirns wird auch als Angstzentrum bezeichnet. Sind wir einem gefährlichen Reiz ausgesetzt (nehmen wir als Beispiel einen Tiger, dem wir gegenüberstehen), bleibt keine Zeit für Interpretation. Die Situation ist neu und in höchstem Maße bedrohlich. Binnen Bruchteilen von Sekunden wird dann eine Stresskaskade initiiert. Es kommt zur Ausschüttung von Stresshormonen – Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol. 

Und nun kommen wir zu meinem Freund dem Drachen, den du auf dem Foto gleich in 2 Varianten siehst. Ich mag Drachen – Drachen sind stark, Drachen sind mutig. Stellen wir uns vor, wir wären kein Mensch, sondern ein Drache und vor uns stünde ein Tiger. Auch für einen Drachen kann die Begegnung mit einem Tiger unschön enden, sein Angstzentrum ist alarmiert – wenn unser Angstzentrum alarmiert ist und wir mit Stresshormonen geflutet sind, verändert sich unsere Wahrnehmung – wir haben 3 Reaktionsmöglichkeiten: Kampf, Flucht und wenn beides nicht möglich ist – Erstarrung. Im Körper wird Überlebensenergie bereitgestellt. Drachen können bekanntlich Feuer spucken, und so würde ein Drache sich eventuell entscheiden zu kämpfen (das alles läuft natürlich unbewusst ab, denn für langes Abwägen bleibt keine Zeit im Sinne einer Entscheidungsfindung), würden wir das als Mensch probieren, stünden unsere Chancen eher schlecht. Aber vielleicht ist die Tür vom Käfig des Tigers nur 10 cm weit entfernt und wir könnten versuchen zu fliehen. Hat der Tiger uns schon am Schlawittchen, können wir kämpfen (wohl nur was für die Allermutigsten und für die, die sich blitzschnell in einen Drachen verwandeln können, das musst du aber vorher üben ;-)) oder erstarren, das heißt wir schalten uns selber ab, um den Schmerz nicht zu spüren, wenn der Tiger uns auffrisst. Das machen zum Beispiel auch Mäuse, wenn sie sich schon im Maul der Katze befinden.

Die Begegnung mit einem Tiger ist im Alltag doch eher selten und doch fühlen viele Menschen sich chronisch gestresst – ihr System ist quasi (wenn auch auf einem sehr viel niedrigerem Niveau) daueralarmiert. Innere Bilder und Gedanken oder eben Glaubenssätze können Stress im Körper auslösen, denn unser Gehirn kann nicht unterscheiden, ob es sich um eine reale Gefahr handelt oder der Tiger (Angst vor Krankheit, Angst vor Ablehnung, Angst vor Krieg – die Liste ist endlos…) nur eingebildet ist – so stehen wir ständig ,,unter Strom“ und merken es noch nicht einmal. 

Wir lernen aus Erfahrungen – wie angstbereit unser Gehirn ist und was uns (vielleicht auch nur unbewusst) triggert und zu einer Anspannung im Körper führt, ist abhängig von unseren Erfahrungen, vor allem in Bezug auf unsere engsten Bezugspersonen. War die Bindung zu unseren Bezugspersonen unsicher (zum Beispiel, weil die Bezugspersonen selbst aufgrund traumatischer Erfahrungen überfordert waren), so ist es sehr wahrscheinlich, dass bereits beim Kind sehr früh angstvolle Energie im Körper gespeichert wurde, die nicht richtig abgebaut werden konnte. 

Es ist möglich, diese ungünstigen Verschaltungen im späteren Leben sanft zu lösen, zum Beispiel durch TRE (Tension & Trauma Releasing Exercises) – dazu bald mehr…

Warum ich das hier alles schreibe? Weil es mich interessiert, denn ich bin ja Ärztin, nicht wahr? Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit – ich möchte dir erzählen, dass ich selber in meiner Entwicklung wahrscheinlich viele eher ungünstige Verschaltungen in meinem Gehirn und meinem Körper abgespeichert habe – aber auch das ist nur die halbe Wahrheit, denn wir sind immer mehr und das Leben meint es gut mit uns – entscheidend ist nicht was dir passiert ist, sondern wieviel Verantwortung du für dich und dein Handeln übernimmst. Alles was einmal verschaltet wurde, kann sich lösen -unser Gehirn ist plastisch und kann wieder neu verschaltet werden – glaub an dich, steh wieder auf, erinnere dich daran wie wertvoll das Leben ist und lass dir nichts sagen. Kümmere dich um dich!

Hast du Fragen oder brauchst so ein schönes Drachenbild, um dich besser in einen hineinversetzen zu können, melde dich gerne bei mir!

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